Beweidung des Pfrunger-Burgweiler Riedes mit Rindern Riedrind: Genuss vom Pfrunger-Burgweiler Ried

Landschaftspflege durch ganzjährige Beweidung

Beweidung ist nicht nur eine der ersten landwirtschaftlichen Nutzungsformen der feuchten bis nassen Niedermoorflächen ab dem frühen Mittelalter – Beweidung ist eigentlich der natürliche Urzustand: Schon vor der menschlichen Einflussnahme haben große Herbivoren (Pflanzenfresser) wie Hirsch, Elch, oder Ur dafür gesorgt, dass neben Wald auch offenes und halboffenes Weideland dauerhaft als Lebensraum Bestand hatte.

Vor allem in den letzten Jahrzehnten veränderte sich die Landschaft in vielen Bereichen des Pfrunger-Burgweiler Riedes. Als Folge der stark intensivierten Landwirtschaft nahm  die Vielfalt der Lebensräume und Arten ab.

Durch Vernässung und Aufgabe der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung  sollen  das Moor regeneriert und eine struktur- und artenreiche Landschaft entwickelt werden. Um diese Ziele zu erreichen, sind auch die robusten Rinder ganzjährig als Landschaftspfleger in den Randbereichen im Einsatz.

 

Die Ausgangssituation:

Intensive Nutzung der Riedwiesen

Das offene Grünland, ein wichtiges Element einer struktur- und artenreichen Landschaft, geht ohne regelmäßige Eingriffe durch den Menschen als Lebensraum verloren. Büsche und Bäume erfreuen sich eines üppigen Wachstums.

Entwässerung, Düngung und häufiger Schnitt führen zu ertragreichem, aber auch artenarmem Grünland. Nur wenige Pflanzen wie nährstoffliebende Grasarten und Löwenzahn fühlen sich hier wohl. Dennoch sind die weiten Wiesenflächen im Ried ein wichtiges Futterrevier,  z. B. für den Storch und viele Zugvögel.

Bei Renaturierung und Beweidung entsteht eine feuchte bis nasse halboffene Weidelandschaft.

Durch ganzjährige Rinderbeweidung wird eine flächendeckende Verbuschung verhindert, denn Rinder fressen gerne die jungen Triebe von Büschen und Bäumen.

So entsteht eine strukturreiche Landschaft – ein eng verzahnter Wechsel von Wiese, Busch, Baum, Wald, Hecke, Rohboden, Wasser. Sie bietet abwechslungsreiche Lebensräume für viele Arten.

 

Auswirkungen der Beweidung auf Standort und Arten

Kuhfladen / Dung

Die Kuhfladen bilden die Grundlage einer ganzen Nahrungspyramide. In den ca. 40 kg Kot, den ein Rind pro Tag produziert, entwickeln sich ca. 400 g Wirbellose wie Fadenwürmer, Käfer und Fliegen. Das ergibt bei 20 Tieren 8 kg Biomasse pro Tag und Herde – Nahrung für Amphibien, Vögel (Neuntöter, Kiebitz, Storch,) und Fledermäuse, … –  und das nahezu das ganze Jahr über.
Durch das punktuell erhöhte Angebot an Nähr- und Mineralstoffen bilden sich Inseln mit anderer Vegetation – ein weiterer Beitrag zur Artenvielfalt.

Störstellen

Durch Viehtritt öffnet sich stellenweise die Grasnarbe. Der freigelegte Boden bietet Flora und Fauna völlig andere Lebensbedingungen als geschlossene Grasflächen. In diesen offenen Rohbodenbereichen können sich spezialisierte Pflanzen und Insekten ansiedeln. Besonders interessant sind diese Störstellen für Vögel, wie zum Beispiel die Schafstelze und Braunkelchen, die hier nach Futter suchen.

Selektiver Verbiss

Rinder sind in ihrem Fressverhalten Gourmets. Sie fressen eine Weide nie gleichmäßig ab, sondern zuerst das, was am besten schmeckt. So entsteht eine sich ständig verändernde, strukturreiche Landschaft vom kurzen Rasen bis zu hohen Stauden.

Langsam wachsenden Pflanzen ermöglicht dies ein Wachstum am Licht – andere können erst dadurch blühen und Samen bilden. Auch im Bereich der Gebüsche werden manche Stellen durch Verbiss geöffnet und es können neue Strukturen entstehen. Diese bieten besonders Vögeln, wie zum Beispiel dem Kiebitz, eine ideale Ausgangslage, um sein Nest bauen zu können.

 

Die Rinder sind keine Wildtiere  –  auch wenn sie manchmal recht wild aussehen

Beweidung im Pfrunger-Burgweiler Ried

Hier im Pfrunger-Burgweiler Ried werden insgesamt sechs unterschiedliche Rinderrassen als Landschaftspfleger eingesetzt: Galloways, Belted Galloways, Scottish Highland, Heckrinder, Pinzgauer und Limousin – je nach Beschaffenheit des Standortes. Sie zeichnen sich durch eine ausgeprägte Robustheit aus und können ganzjährig auf der Weide bleiben. Unterstände oder der Wald als Rückzugsort schützen vor praller Sonne und eisigen Winden. Über das Jahr hinweg kümmern die Tierhalter sich um die Gesundheit ihrer Tiere und versorgen sie mit frischem Wasser.

In der vegetationslosen Jahreszeit und bei geschlossener Schneedecke wird mit Heu zugefüttert. Denn Rinder scharren nicht wie Schafe oder Pferde den Schnee bei der Futtersuche zur Seite. Wären sie nicht eingezäunt, würden sie solange wandern, bis sie etwas Fressbares entdecken.

Robustrinder sind Nutztiere – sie unterliegen bei der Kennzeichnungspflicht oder der Dokumentation den gleichen gesetzlichen Regelungen wie ihre Artgenossen im Stall.

Mutterkuhhaltung

Die Herden leben in geschlossenen Familienstrukturen das ganze Jahr zusammen auf der Weide und somit erfolgt auch die Besamung ganz natürlich. Eine Kuh trägt ca. zehn Monate lang ihr Kalb aus. Zur Geburt ziehen sich die Muttertiere zurück und bringen ihr Kalb alleine zur Welt. Danach kümmern sich die Muttertiere ausschließlich um ihre Kälber und versorgen sie mit Milch. Meist beginnen die Jungtiere schon früh Gras und Heu mitzufressen. Je besser sie sich selbst versorgen können, umso weniger Milch wird benötigt. Mit ca. acht Monaten kann sich das Jungtier alleine ernähren und die Kuh bereitet sich auf die nächste Geburt vor.

Tierentnahme innerhalb des Herdenmanagements und deren Vermarktung

Im Rahmen der Landschaftspflege innerhalb von Feuchtgebieten wird der Tierbesatz gering gehalten. Nur so kann sich eine strukturreiche Fläche entwickeln. Dennoch gebärt im jährlichen Rhythmus eine Mutterkuh ihr Kalb und zieht es auf. Die Herde wird größer! Deshalb werden den Herden regelmäßig erwachsene Tieren entnommen, um eine Überbeweidung in der ganzjährigen Freilandhaltung zu vermeiden.

Rinder, die innerhalb der ganzjährigen Freilandhaltung geboren und aufgezogen wurden, kennen keine Fixierung des Kopfes durch z. Bsp. ein Fressgitter. Sie wurden nie von einem Stall zum nächsten transportiert, oder ähnliches. Ein Einfangen und Abtransportieren bedeutet für diese Tiere deshalb Stress. Aus diesem Grund haben sich die Landwirte in intensiver Zusammenarbeit mit der Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried und den zuständigen Behörden auf eine Tierentnahme durch Kugelschuss auf der Weide geeinigt. Dieses Verfahren wird durch den zuständigen Veterinär durchgeführt und sichert eine schonende und stressfreie Vorgehensweise für Tier und Mensch. Das Rind wird danach tot zur weiteren Verarbeitung bei einem regionalen Metzger Vorort verbracht.

Vermarktungsinitiative „Genuss vom Pfrunger-Burgweiler Ried“

Bei uns kommt die “Landschaft auf den Teller”!

 

Genuss vom Pfrunger-Burgweiler Ried

Durch regionale Förderung konnte unter der Leitung von Sabine Behr vom Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf gemeinsam mit den Landwirten eine entsprechende Vermarktung aufgebaut werden. Hier finden Sie weitere Informationen zur Vermarktung.