Flora

Von Spezialisten und Hungerkünstlern

Moore sind gekennzeichnet durch eine ganz besondere – zum Teil hochspezialisierte – Vegetation. Vor allem im Hochmoor (Regenmoor) herrschen spezielle Bodenverhältnisse: Im Idealfall ist es nass (wenn es genug regnet), nährstoffarm (abgeschnitten vom nährstoffreichen Grundwasser) und sauer (aufgrund des Ionenaustauschs der Torfmoose).

Jeder Moortyp hat seine eigene Vegetation. Das macht das Pflanzenmosaik im Pfrunger-Burgweiler Ried so spannend!

Trotz massiver Artenverluste in der Vergangenheit hat das Pfrunger-Burgweiler Ried auch heute noch eine wichtige Funktion für den Schutz der Flora.

Die letzte intensive Erfassung des floristischen Arteninventars fand 1991/1992 statt (WAGNER & WAGNER 1993, 1996). Unter Berücksichtigung aller bisherigen Nachweise konnten im Gebiet insgesamt 694 Pflanzenarten nachgewiesen werden, wobei ausgestorbene und moorfremde Arten mit eingeschlossen sind. Für 477 Farne und Blütenpflanzen sowie für 96 Moosarten gibt es Nachweise von 1992 und später.

Eine Übersicht über die im Gebiet besonders schützenswerten Arten findet sich bei WAGNER & WAGNER (1993, 1996) und im Pflege- und Entwicklungsplan für das Naturschutzgroßprojekt (KAPFER 2005).

Aus floristischer Sicht sind im Pfrunger-Burgweiler Ried folgende – gefährdete – Arten von besonderer Bedeutung:

Torfmoos (Sphagnum imbricatum):

Torfmooshügel im WaldDie Art kommt sowohl in Hochmooren als auch in Niedermooren vor, in denen sie in lockeren Decken wächst. Sie ist eine deutschlandweit seltene, atlantische Art. Der Bestand im Projektgebiet (Schnödenwiesen) ist das einzige Vorkommen der Art in Oberschwaben.

 

Hochmoor-Hallimasch (Armillariella ectypa):

Kopf mit Lamellen eines Hochmoor-HallimaschDie Art wurde nach 1980 in Deutschland lediglich an zehn Fundorten nachgewiesen.

 

Strauch-Birke (Betula humilis):

StrauchbirkeDieses Glazialrelikt ist eine Zwischenmoorpflanze, die auf mäßig nährstoff- und basenreichen Torfen gedeiht. Sie kommt in Baden-Württemberg nur im Alpenvorland vor. Der Bestand im Projektgebiet ist verglichen mit der ursprünglichen Verbreitung stark rückläufig.

 

 

Alpen-Fettkraut (Pinguicula alpina):

Alpen-FettkrautDas konkurrenzschwache Alpen-Fettkraut kommt auf sehr nassen, mesotroph-kalkreichen Standorten vor [mesotroph: Zwischenstufe zwischen eutroph (= nährstoffreich) und oligotroph (=nährstoffarm)], wie sie Quellfluren als Primärlebensräume darstellen. Die sehr lichtbedürftige Art deckt einen Teil ihres Nährstoffbedarfs mittels der als Klebfalle dienenden Blätter. In Baden-Württemberg kommt die Art nur im Alpenvorland vor, wobei es sich bei dem Bestand im Projektgebiet um das nördlichste Vorkommen in seinem präalpinen Areal handelt.

 

Schlankes Wollgras (Eriophorum gracile):

Diese in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohte Art kommt im Projektgebiet an zwei Standorten vor und bevorzugt nasse, basenreiche und zumeist kalkarme Schwingrasenmoore.

 

Fadenwurzel-Segge (Carex chordorrhiza):

Fadenwurzel-SeggeDieses Glazialrelikt [Eiszeitrelikt] ist im Projektgebiet eine Charakterart des Kleinseggen-Übergangsmoores in mehreren mesotroph-sauren Zwischenmoorflächen [mesotroph: Zwischenstufe zwischen eutroph (= nährstoffreich) und oligotroph (=nährstoffarm)]. Der Bestand ist aufgrund der Austrocknung und der dadurch hervorgerufenen Verbuschung der Zwischenmoorstandorte stark rückläufig.

 

 

Sumpf-Weichwurz (Hammarbya paludosa):

Sumpf-WeichwurzÄußerst seltene nordische und nordisch-arktische Arten haben hier das nordwestlichste Vorkommen ihres Areals. Die Weichwurz zeigt aufgrund der durch Entwässerung verursachten Austrocknung eine abnehmende Tendenz.

 

Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii):

Sumpf-GlanzkrautEs besiedelt kalkreiche Zwischen- und Niedermoore (Quellmoore) und ist als lichtbedürftige Art auf offene Vegetationsbestände angewiesen. Die Art wurde im Projektgebiet zuletzt 1985 nachgewiesen und gilt als verschollen.

 

Alpen-Wollgras (Trichophorum alpinum):

Alpen-WollgrasEs bevorzugt nasse und basenreiche, jedoch meist kalkarme Zwischenmoore. In Baden-Württemberg kommt es im Alpenvorland und im Schwarzwald vor. Das Alpen-Wollgras weist eine abnehmende Tendenz auf. Es handelt es sich um die einzige rezente, sicher als Glazialrelikt [Eiszeitrelikt] einzustufende Art im Projektgebiet.

 

Firnisglänzendes Sichelmoos (Drepanocladus vernicosus):

Firnisglänzendes SichelmoosIm Projektgebiet ist das Moos nur aus einem Zwischenmoor bekannt. Es kommt an basenreichen, meist kalkarmen, mesotrophen [mesotroph: Zwischenstufe zwischen eutroph (= nährstoffreich) und oligotroph (=nährstoffarm)], lichten Standorten vor.